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Pressemitteilung: Neue Wege im Kampf gegen Krankenhauskeime

„Wir müssen dem Patienten die Verantwortung für den Eigenschutz übertragen“

600.000 Erkrankungen und 15.000 Todesfälle jährlich allein in Deutschland – das ist die erschreckende Bilanz der Hygiene-Experten, wenn es um sogenannte Krankenhauskeime und besonders gefährliche multiresistente Bakterien geht. Um diese Zahlen nachhaltig und dauerhaft zu senken, sind neue Präventionskonzepte erforderlich. Einen auch international neuen Weg geht dabei die Universitätsmedizin Greifswald.

„Die Rolle des Patienten beim Infektionsschutz ist bislang oft vernachlässigt worden. Dabei nimmt er eine Schlüsselrolle ein. Nur im Bündnis mit ihm lassen sich Krankenhausinfektionen erfolgreich eindämmen. Wir müssen ihm systematisch die Verantwortung für den Eigenschutz übertragen“, sagte Prof. Axel Kramer, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald im Rahmen des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit. In einem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt soll untersucht werden, wie es am besten gelingen kann, erfolgreiche Prophylaxe-Maßnahmen zu etablieren.
„Wir wollen dem Patienten beibringen, aktiv am Infektionsschutz mitzuwirken. Er muss zum Beispiel wissen, was Hygienemaßnahmen für ihn bedeuten und wie er selbst einfache Maßnahmen ergreifen kann. Dazu gehört etwa, sich vor den Mahlzeiten oder beim Kontakt mit Besuchern die Hände zu desinfizieren. Geplant ist auch, dem Patienten im krankenhauseigenen Fernsehprogramm kurze Videos zu zeigen, die ihm verschiedene Präventionsmaßnahmen näher bringen sollen“, sagt Prof. Claus-Dieter Heidecke, Ordinarius für Chirurgie an der Universitätsmedizin Greifswald und Vorsitzender der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Qualität, Sicherheit und Versorgungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Besucher sollen ebenfalls in dieses Konzept eingebunden werden.
Auch auf den ersten Blick eher ungewöhnliche Schritte sind in der weiteren Entwicklung vorgesehen: „Wir wollen die Patienten dazu anhalten, Hygienestandards auch vom Klinikpersonal einzufordern, wenn sie von Ärzten, Pflegepersonal oder Therapeuten nicht eingehalten werden sollten“, sagt Heidecke. Es sei ihm allerdings bewusst, dass das auf beiden Seiten ein Umdenken erfordere. Das aber wird passieren, ist sich Prof. Axel Ekkernkamp, Ordinarius der Universitätsmedizin Greifswald sowie Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin sicher: „Vor 20 Jahren wäre das noch undenkbar gewesen, vor zehn Jahren ungewöhnlich, aber in Zukunft wird es Realität sein, alle Beteiligten in den Infektionsschutz einzubeziehen. Das ist ein gegenseitiger Lernprozess“, so Ekkernkamp. Und nur mit dem mündigen Patienten, so sind sich die Experten einig, lassen sich die Infektionen und damit auch die Zahl der Todesfälle um ein bis zu zwei Drittel verringern.


Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Angela Kijewski, Pressesprecherin Unfallkrankenhaus Berlin
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