Abteilung für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie

Schwerpunkt für rekonstruktive Chirurgie bei Plexusparese, Tetraplegie und Cerebralparese

Im Schwerpunkt für rekonstruktive Chirurgie bei Plexusparese, Tetraplegie und Cerebralparese unter der Leitung von Dr. Richarda Böttcher werden Patienten mit Verletzungen des Nervengeflechts, mit Querschnittlähmungen oder mit spastischen Lähmungen infolge von Hirnschäden kompetent individuell beraten und medizinisch bestmöglich behandelt.

Langjährige Erfahrung besteht insbesondere bei der Rekonstruktion der Handfunktion bei Tetraplegie, die im ukb seit 2003 in enger Zusammenarbeit mit dem Behandlungszentrum für Rückenmarkverletzte durchgeführt wird. Dabei wird mit anderen spezialisierten Zentren dieser Art weltweit eng zusammen gearbeitet. Alle Behandlungsergebnisse des Berliner Schwerpunkts werden sorgfältig dokumentiert, ausgewertet und im Rahmen des internationalen Erfahrungsaustauschs vorgestellt.  Daher werden die behandelten Patienten auch um ihre regelmäßige und zuverlässige Mitarbeit gebeten. 

Bei Plexuslähmungen oder anderen Nervenverletzungen ist es bei frühzeitiger Operation möglich, die verletzten Strukturen zu rekonstruieren oder durch Umleitung intakter Nerven zu ersetzen. Ansonsten lässt sich wie bei Querschnittlähmung oder spastischen Krankheitsbildern eine Funktionswiederherstellung durch Umsetzung von Sehnen und Muskeln erreichen. Dabei übernehmen gesunde, aber verzichtbare Muskeln die Aufgaben notwendiger, aber verletzter Strukturen. Für diese sogenannten „motorischen Ersatzoperationen“ besteht im Schwerpunkt eine langjährige Erfahrung und Kompetenz. Bei diesen Operationen laden wir häufig behandelnde Krankengymnasten oder Ergotherapeuten ein, an der Operation teilzunehmen. Hierdurch verbessern wir die therapeutische Zusammenarbeit und geben dem Patienten das sichere Wissen, dass die Behandlung im Dialog und mit Sicherung einer adäquaten Nachbehandlung erfolgt. 

 Plexuschirurgie

Der Plexus brachialis ist ein Nervengeflecht, das sich vom Rückenmark in der Halswirbelsäule über die Schulter bis in den gesamten Arm zieht. Dabei sind sowohl Nerven zu den Muskeln für die aktiven Bewegungen als auch sensible Nervenfasern für das Gefühl beteiligt. Die einzelnen Nervenstränge sind in Hals- und Schulterhöhe ähnlich einem Netz verzweigt und geben bereits einzelne Äste zu den Muskeln der Schulter-/Halsregion ab. Ungefähr in Höhe der Achselhöhle teilt sich dieses Netz endgültig in die Hauptäste für den Arm auf. 

Verletzungen des Plexus brachialis treten vor allem bei plötzlichen ruckartigen Überdehnungen im Schulterbereich auf.  Die weitaus häufigste Ursache schwerer oder gar kompletter Plexusverletzungen sind Motorradunfälle. Aber auch bei Ausrenkungen des Schultergelenks (Schulterluxation), Knochenbrüchen, offenen Verletzungen oder Tumoren kann der Plexus brachialis beeinträchtigt sein.

Grundsätzlich können sich die Nerven bei geringen Schädigungen der isolierenden Außenhülle im Laufe weniger Wochen von selbst erholen. Dies ist jedoch nur sehr selten und bei weniger schweren Verletzungen der Fall. In allen anderen Fällen versucht der menschliche Körper, ab der Verletzungshöhe die Nervenfasern (Axone) neu wachsen zu lassen. Dies gelingt bei schwerer Schädigung der Außenhülle oder gar kompletter Nervenzerreißung jedoch nicht, so dass sehr häufig eine dauerhafte Lähmung resultiert. 

Die folglich nicht durch Nerven versorgten Muskeln bleiben in der Regel ca. zwei Jahre gut ansprechbar. Wenn sie allerdings weiterhin keinerlei  elektrische Impulse über Nervenfasern erhalten, geht auch die elektrische Ansprechbarkeit der Muskeln verloren. 

Aufgrund dieser Erkenntnisse müssen Operationen zur Verbesserung der aktiven Beweglichkeit und in Einzelfällen  auch des Gefühls sehr genau und zeitlich gut abgestimmt geplant werden.  Das Vorgehen wird jeweils im Einzelfall geplant, wenn genaue Erkenntnisse  über das Ausmaß der Schädigung vorliegen. 

Wichtig: Bei allen Rekonstruktionen von Nerven dauert es Monate, bis erste Erfolge spürbar werden. Erst nach Ablauf von 2 bis 3 Jahren lässt sich der Erfolg wirklich beurteilen.

 Rekonstruktion der Handfunktion bei Querschnittlähmung

Bei einer Querschnittlähmung mit Beteiligung der Arme und Hände empfinden die Betroffenen insbesondere den Funktionsverlust beim Greifen und Halten als besonders einschränkend. Dieser führt zu einer dauerhaften Abhängigkeit von fremder Hilfe, dem Verlust von Selbständigkeit und Spontanität. Daher wird am ukb bereits seit 2003 die operative Rekonstruktion der Handfunktion vorgenommen. Dabei werden verzichtbare Muskeln so umgesetzt und mit gelenkstabilisierenden Maßnahmen kombiniert, um eine sichere Greiffunktion zu ermöglichen. Hierdurch werden selbständige Tätigkeiten bei der Körperpflege, der Zubereitung von Mahlzeiten und der Umgang mit technischen Geräten (Handy, Computer) deutlich verbessert. 

Die bei höherer Querschnittlähmung häufig fehlende aktive Streckung im Ellenbogengelenk (wichtig für Stützen und Transfer) kann in vielen Fällen durch eine Operation mit Umsetzung eines Schultermuskels rekonstruiert werden. 

Bei der Rekonstruktion der Greiffunktion sind für eine Hand meistens eine, gelegentlich aber auch zwei Operationen notwendig. Das grundsätzliche Ziel ist die Ermöglichung eines sicheren Schlüsselgriffs.

Hierfür müssen einzelne Gelenke des Daumens in der Regel versteift oder durch Sehnenumlagerung stabilisiert werden. Außerdem werden aktive Muskeln im Unterarm so „umgeleitet“, dass sie für die Funktion des Schlüsselgriffs zur Verfügung stehen. In Abhängigkeit von der Höhe der Querschnittlähmung kann bei günstigen Ausgangsverhältnissen darüber hinaus auch der Grobgriff der Hand zum Umfassen und Halten größerer Gegenstände mit allen Fingern rekonstruiert werden. Bei den bisher operierten Patienten im ukb wurden keine Verschlechterungen beobachtet. Alle Patienten nach Rekonstruktion der Handfunktion im ukb berichteten in einer Befragung 2011 über deutlich verbesserte Funktionen und Selbständigkeit.

 Spastische Lähmungen bei Kindern und Erwachsenen

Spastische Lähmungen bei Kindern und Erwachsenen führen zu schweren behindernden Kontrakturen und Fehlstellungen. Zudem ist das klinische Bild einem steten Wandel durch Änderung der spastischen Intensität unterworfen. Häufig kann bereits mit kleineren korrigierenden Eingriffen wie  Sehnenverlängerungen eine deutliche Besserung der Stellung und Funktion erreicht werden. Dies wird im jeden Einzelfall individuell eingeschätzt.

  Unfallkrankenhaus Berlin

Abteilung für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie

Warener Str. 7
12683 Berlin

  Leitung des Schwerpunkts

Dr. Richarda Böttcher

  030/5681-4101   030/5681-4103 richarda.boettcher@ukb.de