Hydrozephalus / Altershirndruck / idiopathischer Normaldruckhydrozephalus

Ein Hydrozephalus kann nach Unfällen, Hirnblutungen oder Hirnhautentzündungen entstehen, er kann jedoch auch ohne eine bekannte Ursache auftreten.

Alle Formen des Hydrozephalus werden durch Operationen behandelt, bei denen ein künstlicher Ablauf für das Nervenwasser geschaffen wird. Dieser kann in verschiedenen Ablaufsystemen mit Ventilen bestehen, die unter der Haut verlegt werden, möglich ist aber auch die Anlage eines „inneren Bypass“. Welche Methode und welche technischen Details für welchen Patienten geeignet sind, wird im Rahmen umfangreicher diagnostischer Verfahren in unserer Klinik ermittelt. Der Klinik für Neurochirurgie im Unfallkrankenhaus Berlin kommt dabei sowohl in Bezug auf die Zahl der behandelten Patienten als auch auf die wissenschaftlichen Beiträge auf Fachtagungen und in medizinischen Zeitschriften eine herausgehobene Stellung zu.

Idiopathischer Normaldruckhydrozeophalus

Der idiopathische Normaldruckhydrozeophalus, für den sich auch der Name „Altershirndruck“ eingebürgert hat, ist eine besondere Form des Hydrozephalus die ohne bekannte Ursache in der zweiten Lebenshälfte auftritt.
In der Regel kommt es zuerst zu einer Verschlechterung des Gangbildes: Schrittweite und Schritthöhe nehmen ab, die Gangspur wird schulterbreit oder breiter, die Fußspitzen weisen häufig nach außen. Für eine Drehung um die eigene Körperachse werden fünf und mehr Schritte benötigt. Bei Verlust der Sichtkontrolle, also wenn Sie die Augen schließen oder im Halbdunkel unterwegs sind, nimmt die Gangsicherheit weiter ab.
Bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung kommt eine Harninkontinenz hinzu. So nennen Mediziner die Unfähigkeit, das Wasserlassen zu steuern. Oft beginnt es damit, dass Sie nachts sehr häufig zur Toilette müssen. Später kann es sein, dass Sie Schwierigkeiten haben, die Toilette noch rechtzeitig zu erreichen, wenn Sie den Harndrang zu spüren beginnen. Besonders augenscheinlich ist dies oft bei männlichen Patienten, die durch eine gutartige Prostatavergrößerung  bisher eher unter erschwertem Wasserlassen litten.
Zuletzt zeigen sich sogenannte dementielle Symptome. Diese beginnen meist mit Kurzzeitgedächtnisstörungen und können bis hin zur Orientierungslosigkeit zunehmen. Wenn alle diese Symptome gemeinsame auftreten, wird dies als „Hakim-Trias“ bezeichnet.
Zusätzlich zu diesen Beschwerden können regelmäßige Kopfschmerzen und Schwindel sein. Der Charakter der Kopfschmerzen wird von den Patienten in der Regel als Druck im Inneren des Kopfes oder als das Gefühl, ein um den Kopf gelegter Gürtel würde immer fester gezogen beschrieben. Der Schwindel ist meist ein Schwankschwindel, der sich besonders nach größeren Belastungen, wie dem Gehen einer längeren Strecke oder unter psychischem Druck, wie vor dem Überqueren eines großen freien Platzes ohne Haltemöglichkeiten meldet.
Als „Leitsymptom“ gilt die Gangstörung. Schon eine typische Gangstörung allein, ohne die anderen oben beschriebenen Symptome genügt, um dem Verdacht auf einen idiopathischen Normaldruckhydrozephalus nachzugehen.

Neuroradiologie

In einer Schichtbilduntersuchung des Kopfes (Computertomografie oder Magnetresonanztomografie) gilt das Hauptaugenmerk der Größe der inneren Nervenwasserkammern, sog. „inneren Liquorräumen“ oder „Ventrikeln“. Als Maß für eine krankhafte Erweiterung hat sich eine „Evans-Index“ genannte Maßzahl durchgesetzt. Mittels einer speziellen MRT-Untersuchung kann zusätzlich die Flussgeschwindigkeit des Nervenwassers an einer natürlichen Engstelle innerhalb der Nervenwasserkammern („Aquädukt“) gemessen werden. Einen einheitlichen Grenzwert, anhand dessen sich bereits allein sagen ließe, ob jemand krank ist oder nicht, konnte jedoch bisher nicht gefunden werden.

Bisher gibt es keine Methode, den „idiopathischen Normaldruckhydrozephalus“ mit rein nichtinvasive Methoden nachzuweisen.

Infusionstest / Spinal tap test

Eine Möglichkeit der vertiefenden Untersuchung ist der Infusiontest. Dabei wird ebenfalls eine Lumbalpunktion angelegt und nach einem festgelegten Protokoll steriler Nervenwassereratz unter leichtem Druck in die Nervenwasserräume gepumpt. Dabei werden umfangreiche Messreihen aufgenommen und anschließend mit dem Computer ausgewertet. Für den Infusionstest müssen Sie in einem speziellen Untersuchungsraum etwa 40 Minuten ruhig auf der Seite liegen. Die Untersuchung lässt sich mit dem „Spinal tap test“ kombinieren.
Dies bedeutet, dass nach dem Infusionstest etwa 50 ml Nervenwasser (Liquor) abgelassen werden. Bei vielen Patienten kommt es dadurch bereits zu einer deutlichen Besserung des Gangbildes. Die Besserung kann wenige Stunden nach der Nervenwasserentnahme einsetzen und hält meist für ein bis drei Tage an.

Operative Therapie

Voraussetzung zur operativen Therapie sind die gesicherte Diagnose eines idiopathischen Normaldruckhydrozephalus, die allgemeine Operationsfähigkeit des Patienten.

Ventrikuloperitonealer Shunt

Die derzeit am weitesten verbreitete Therapie ist die operative Anlage eines ventrikuloperitonealen Shunts. Dabei wird in der Regel der rechte Seitenventrikel und die freie Bauchhöhle über einen Silikonschlauch von etwa 1,2 mm Innendurchmesser miteinander verbunden.
Während die Shuntoperation an sich nicht als anspruchsvolle Operation gelten kann, setzt die Auswahl des richtigen Ventils erhebliche Erfahrung und Kenntnis der aktuellen Entwicklungen voraus. Programmierbare Ventile bieten die Möglichkeit, den Ventilöffnungsdruck mit Magnetinstrumenten umzustellen und damit ohne eine weitere Operation im Laufe der Zeit an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen.

Endoskopische Drittventrikulostomie

Prinzipiell besteht auch die Möglichkeit, einen durch die endoskopische Herstellung einer künstlichen Verbindung zwischen dem Drittem Ventrikel und den basalen Liquorzisternen – und somit ohne Implantat – zu behandeln. Dieses „Schlüsselloch-Verfahren“ ist jedoch nach bisherigem Kenntnisstand nicht für jede Art des Hydrozephalus geeignet. Die Endoskopische Drittventrikulostomie ist aber eine Methode, die wir selbstverständlich für geeignete Patienten anbieten.

 

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Klinik für Neurochirurgie

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