Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Pro Jahr werden in der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie derzeit über 1.400 Patienten stationär und 3.000 Patienten ambulant behandelt. Behandlungsschwerpunkte sind:

Traumatologie, insbesondere die Versorgung und Wiederherstellung von Patienten mit Gesichtsverletzungen. Chirurgische Eingriffe bei Mundhöhlenkarzinom, bösartigen Hauttumoren des Gesichts,  Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und anderer Fehlbildungen des Gesichts. Plastisch-rekonstruktive Chirurgie des Gesichtsbereiches, einschließlich der mikrovaskulären Chirurgie, Dysgnathiechirurgie (kieferorthopädische Chirurgie), Chirurgie der Speicheldrüsen und der Orbita (Augenhöhle), zahnärztliche Chirurgie einschließlich  enossaler Implantologie, plastisch ästhetische Chirurgie des Gesichts. 

Seit 2014 ist die Klinik Teil des Kopf-Hals-Tumor-Zentrums am Unfallkrankenhaus Berlin.

Das Leistungsspektrum der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie umfasst folgende Bereiche:

 Verletzungen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich (Traumatologie)

Mit den Mitteln der modernen Osteosynthese und atraumatischen Operationsverfahren sowie der freien Gewebetransplantation ist es heute möglich, Patienten nach ausgedehnten Verletzungen des Gesichtsschädels in fast allen Fällen vollkommen zu rehabilitieren. Weichteil- und knöcherne Verletzungen können in der Regel primär in einer einzigen Operation versorgt werden. Dabei ist die früher unumgängliche intermaxilläre Verdrahtung, d.h. das Verschnüren von Ober- und Unterkiefer, nur noch in seltenen Ausnahmen erforderlich.

 Plastische rekonstruktive Gesichtschirurgie (unfall- oder tumorbedingte Gesichtsdefekte)

In Fehlstellung verheilte Gesichtsschädelfrakturen werden computerassistiert oder anhand von sogenannten Stereolithographiemodellen (computergefertigte Funktionsmodelle) korrigiert. So kennt der Operateur bereits vor Operationsbeginn genau das Ausmaß der Fehlstellung oder die Ausdehnung des knöchernen Defektes. Die zur Rekonstruktion benötigte Menge körpereigenen Knochens ist daher bereits vor der Operation bekannt. In geeigneten Fällen kann auch keramisches Material, das virtuell passgenau hergestellt wird, zum Ersatz fehlenden Knochens verwendet werden. Die nach Operationen von Mundhöhlenkrebs oft ausgedehnten Gesichtsdefekte machen oft Transplantationen von Knochen, Haut und Muskulatur, z.B. in Form mikrovaskulär gestielter Lappen (d.h. einen mit Arterie und Vene versorgten Haut-Muskellappen) erforderlich. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie.

 Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

Die Behandlung eines Kindes mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beginnt unmittelbar nach der Geburt mit der Einleitung einer frühkieferorthopädischen Behandlung (Trinkplatte). Der Verschluss von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten erfolgt in der Regel in zwei Operationsschritten im Säuglingsalter. Spätestens zur Einschulung sollte die Primärversorgung abgeschlossen sein, so dass für den medizinischen Laien die Spaltbildung nicht mehr erkennbar ist. Trotzdem werden in vielen Fällen auch im weiteren Verlauf noch Korrekturoperationen erforderlich sein.

 Dysgnathien (extreme Fehlstellungen der Kiefer) und andere kranio-faziale Fehlbildungen

Patienten mit Dysgnathien leiden an einem Missverhältnis der Größe und Stellung von Ober- und Unterkiefer. Dieses Missverhältnis liegt in einem derartigen Ausmaß vor, dass eine alleinige konservative kieferorthopädische Maßnahme nicht ausreichend ist. Es sind vielmehr nach kieferorthopädischer Vorbehandlung ausgedehnte Umstellungsosteotomien (chirurgische Verlagerungen) sowohl des Ober- als auch des Unterkiefers erforderlich, um ein funktionell und ästhetisch gutes Ergebnis zu erzielen.

 Erkrankungen des Kiefergelenks und andere funktionelle Störungen des stomatognathen Systems

Akute und chronische Schmerzen des Kiefergelenkes und der Kaumuskulatur gehen oft mit Beschwerden der Halswirbelsäule, der Nacken- und Halsmuskulatur, der Zungenmuskulatur und mit Schluckbeschwerden einher. Sie äußern sich aber auch in Form unklarer Kopfschmerzen. Die konservativen Kiefergelenkbehandlungen erfolgen nach genauer Analyse des Mund-Kiefer-Systems durch Eingliederung von adjustierten Aufbiss-Schienen und Physiotherapie, weiterhin werden arthroskopische Untersuchungsverfahren und in Ausnahmefällen offene Kiefergelenkoperationen, selten Endoprothesen eingesetzt.

 Mundschleimhauterkrankungen

Veränderungen der Mundschleimhaut können harmlos, häufig aber eine Vorstufe von Mundhöhlenkrebs sein. Daher ist in jedem Fall eine genaue Diagnose, häufig die Entnahme einer Gewebeprobe erforderlich. Einige Mundschleimhauterkrankungen können heute mit modernen Laserverfahren schonend behandelt werden.

 Tumorchirurgie

Die erfolgreiche Behandlung gut- und bösartiger Tumoren der Mundhöhle und der Speicheldrüsen erfordert häufig die Resektion (Entfernung) und Rekonstruktion wesentlicher Anteile der Mundhöhle und den umgebenen Strukturen, wie der Zunge, des Ober- und des Unterkiefers, einschließlich der abhängigen Lymphwege. Bösartige Erkrankungen der Gesichtshaut (weißer und schwarzer Hautkrebs) erfordern nach ihrer Entfernung die Rekonstruktion der Gesichtsweichteile wie Lider, Wangen und Lippen. Die Behandlung bösartiger Tumoren erfordert häufig ein interdisziplinäres Vorgehen. Daher wird das genaue Vorgehen in der interdisziplinären Tumorkonferenz des ukb festgelegt.

 Orbitachirurgie

Die Orbitachirurgie beinhaltet einerseits die Rekonstruktion des Orbitaringes und der Orbitawandungen im Rahmen der Traumatologie und der plastisch rekonstruktiven Gesichtschirurgie. Weiter werden alle Tumoren der Orbita (Augenhöhle) behandelt. Diese Eingriffe erfolgen alle in enger Zusammenarbeit mit der Augenklinik Marzahn.

 Implantologie - Präprothetische Chirurgie

Durch die Entwicklungen der zahnärztlichen Implantologie ist es heute möglich, im Kiefer künstliche Zahnwurzeln (osseointegrierte Implantate) zu verankern und so Zahnersatz einzugliedern, der dem Patienten ein Kauen ermöglicht, wie es auch mit natürlichen Zähnen üblich ist. Bei starkem Schwund des Kieferknochens wird vor der eigentlichen Implantation ein Knochenaufbau erforderlich. Dieser Knochenaufbau erfolgt schonend, vielfach mit Knochenersatzmaterial (z.B. Sinusbodenelevation), gelegentlich wird aber die Verpflanzung körpereigenen Knochens erforderlich. Darüber hinaus werden alle erforderlichen Operationen zur Verbesserung des Prothesenlagers durchgeführt.

 Zahnärztliche Chirurgie

Im Rahmen der zahnärztlichen Chirurgie werden extrem verlagerte Zähne bzw. ausgedehnte Zysten operativ entfernt. Derartige Prozesse machen teilweise die Rekonstruktion des betroffenen Unterkieferabschnittes mit Knochenersatzmaterial oder auch mit körpereigenem Knochen erforderlich, wie im Bereich plastisch-rekonstruktive Chirurgie dargestellt. In vielen Fällen ist die mikrochirurgische Verlagerung des Nervus alveolaris inferior im Unterkiefer notwendig.

 Septische Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Die septische Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie behandelt akute, von den Zähnen und den Speicheldrüsen, den Nasennebenhöhlen und der Gesichtshaut ausgehende Entzündungen.

 Schluckstörungen (Dysphagie)

In enger Zusammenarbeit mit den Nachbardisziplinen (HNO, Neurologie, Chirurgie, Logopädie) werden akute und chronische Schluckstörungen vorwiegend konservativ, d.h. mit Medikamenten, behandelt.

 Epithetik

Der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie ist ein Zentrum für Epithetik angeschlossen. Epithesen sind künstliche Gesichtsteile wie Nasen und Ohren, die in den Fällen eingesetzt werden, bei denen eine chirurgische Rekonstruktion nicht möglich ist oder nicht gewünscht wird.

  Unfallkrankenhaus Berlin

Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Warener Str. 7

12683 Berlin

  Klinikdirektor

Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. dent. Björn Riecke

  030/5681-4201   030/5681-4203   bjoern.riecke­(at)ukb.de