Klinik für Neurochirurgie

Hydrozephalus 

Die Behandlung aller Formen des Hydrozephalus, also der krankhaften Erweiterung der Hirnwasserkammern, bildet einen weiteren Schwerpunkt der Klinik für Neurochirurgie. Ein Hydrozephalus kann nach Unfällen, Hirnblutungen oder Hirnhautentzündungen entstehen, er kann jedoch auch ohne eine bekannte Ursache auftreten.

Alle Formen des Hydrozephalus werden durch Operationen behandelt, bei denen ein künstlicher Ablauf für das Nervenwasser geschaffen wird. Dieser kann in verschiedenen Ablaufsystemen mit Ventilen bestehen, die unter der Haut verlegt werden. Möglich ist aber auch die Anlage eines „inneren Bypass“. Welche Methode und welche technischen Details für welchen Patienten geeignet sind, wird im Rahmen umfangreicher diagnostischer Verfahren ermittelt. Die Klinik für Neurochirurgie im ukb genießt wegen ihrer Erfahrung bei Behandlung und Forschung auf diesem Gebiet auch in Fachkreisen einen hervorragenden Ruf.

 Altershirndruck (idiopathischer Normaldruckhydrozephalus)

Der Altershirndruck ist eine besondere Form des Hydrozephalus, der ohne bekannte Ursache in der zweiten Lebenshälfte auftritt. In der Regel kommt es zuerst zu einer Verschlechterung des Gangbildes: Schrittweite und Schritthöhe nehmen ab, die Gangspur wird schulterbreit oder breiter, die Fußspitzen weisen häufig nach außen. Für eine Drehung um die eigene Körperachse werden fünf und mehr Schritte benötigt. Bei Verlust der Sichtkontrolle, also bei geschlossenen Augen oder im Halbdunkel, nimmt die Gangsicherheit weiter ab.

Bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung kommt eine Harninkontinenz hinzu. Oft beginnt es mit häufigen nächtlichen Toilettengängen. Später können Betroffene Schwierigkeiten haben, die Toilette noch rechtzeitig zu erreichen, wenn sie den Harndrang zu spüren beginnen. Besonders augenscheinlich ist dies oft bei männlichen Patienten, die durch eine gutartige Prostatavergrößerung  bisher eher unter erschwertem Wasserlassen litten. 

Zuletzt zeigen sich sogenannte dementielle Symptome. Diese beginnen meist mit Kurzzeitgedächtnisstörungen und können bis hin zur Orientierungslosigkeit zunehmen. Wenn alle diese Symptome gemeinsame auftreten, wird dies als „Hakim-Trias“ bezeichnet. 

Zusätzlich zu diesen Beschwerden können regelmäßige Kopfschmerzen und Schwindel kommen. Der Charakter der Kopfschmerzen wird von den Patienten in der Regel als Druck im Inneren des Kopfes oder als das Gefühl, ein um den Kopf gelegter Gürtel würde immer fester gezogen, beschrieben. Der Schwindel ist meist ein Schwankschwindel, der besonders nach größeren Belastungen, wie dem Gehen einer längeren Strecke oder unter psychischem Druck, wie vor dem Überqueren eines großen freien Platzes ohne Haltemöglichkeiten auftritt.

Als „Leitsymptom“ gilt die Gangstörung. Schon eine typische Gangstörung allein genügt, um dem Verdacht auf einen idiopathischen Normaldruckhydrozephalus nachzugehen.

In einer Schichtbilduntersuchung des Kopfes (Computertomografie oder Magnetresonanztomografie) gilt das Hauptaugenmerk der Größe der inneren Nervenwasserkammern, sogenannten „inneren Liquorräumen“ oder „Ventrikeln“. Als Maß für eine krankhafte Erweiterung hat sich eine „Evans-Index“ genannte Maßzahl durchgesetzt. Eine Möglichkeit der vertiefenden Untersuchung ist der Infusiontest. Dabei wird eine Lumbalpunktion angelegt und nach einem festgelegten Protokoll steriler Nervenwasserersatz unter leichtem Druck in die Nervenwasserräume gepumpt. Dabei werden umfangreiche Messreihen aufgenommen und anschließend mit dem Computer ausgewertet. Diese Untersuchung lässt sich mit dem „Spinal tap test“ kombinieren: Nach dem Infusionstest werden etwa 50 ml Nervenwasser (Liquor) abgelassen. Bei vielen Patienten kommt es dadurch bereits zu einer deutlichen Besserung des Gangbildes. Die Besserung kann wenige Stunden nach der Nervenwasserentnahme einsetzen und hält meist für ein bis drei Tage an.

 Operative Therapie

Die derzeit am weitesten verbreitete Therapie ist die operative Anlage eines sogenannten ventrikuloperitonealen Shunts. Dabei werden in der Regel der rechte Seitenventrikel und die freie Bauchhöhle über einen Silikonschlauch von etwa 1,2 mm Innendurchmesser miteinander verbunden. Die OP selbst gilt nicht als besonders anspruchsvoll, dagegen setzt die Auswahl des richtigen Ventils erhebliche Erfahrung und Kenntnis der aktuellen Entwicklungen voraus. Programmierbare Ventile bieten die Möglichkeit, den Ventilöffnungsdruck mit Magnetinstrumenten umzustellen und damit ohne eine weitere Operation im Laufe der Zeit an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen. 

Prinzipiell besteht auch die Möglichkeit, die Erkrankung durch eine mittels Endoskop geschaffene künstliche Verbindung zwischen dem Drittem Ventrikel (Hirnwasserkammer) und den basalen Liquorzisternen (Hirnwasserräume) – und somit ohne Implantat – zu behandeln. Dieses „Schlüsselloch-Verfahren“ ist jedoch nach bisherigem Kenntnisstand nicht für jede Art des Hydrozephalus geeignet. Geeigneten Patienten wird diese „endoskopische Drittventrikulostomie“ aber angeboten.

  Unfallkrankenhaus Berlin

Klinik für Neurochirurgie

Warener Str. 7

12683 Berlin